KREFELDER SEGLER-VEREINIGUNG 33 e.V.

Mitglied Des Deutschen Segler-Verbandes
Stützpunkt Der KA
Mitglied Nr. 008 Im Seglerverband NW

Unser Leben in Griechenland 2008 - 2009

001Januar 2008. Nachdem ich nun endlich das Pensionsalter erreicht hatte und nicht in das berühmte „Pensionsloch“ fallen wollte, hatte ich mich nach einer neuen Beschäftigung umgesehen. Ein kleines Inserat einer Segelschule „Skipper gesucht“ ließ mich den Versuch starten, eine Beschäftigung zu finden, die Hobby und der Wunsch nach Leben im Süden unter dem Motto "Sonnenschirm statt Regenschirm" vereinbaren könnte.
Nach einem längeren Gespräch mit dem Eigner der "Noah" und Besitzer einer Segelschule auf der Insel Meganisi wurden wir uns einig, einmal einen Versuch als Charterskipper zu starten. Meine Frau Eva konnte mitfahren und wenn Plätze frei wären auch an den Törns teilnehmen. Sollte kein Platz auf dem Schiff sein, stand ihr eine preiswerte Unterkunft zur Verfügung.
Das Fahren mit einem 15 m Langkieler mit 20 t Gewicht und einer nur 50 PS Maschine erfordert doch einige Umsicht und Übung. Man bekommt Probleme, die beim Fahren mit den so-genannten "Joghurtbechern" nicht auftreten. Bei starkem Seitenwind erfordert das Rückwärtsfahren und "Einparken" ein gutes Zusammenspiel zwischen "Steuermann" und "Ankermann". Man muss aber auch den Mut haben zu sagen; "Geht nicht, draußen auf der Reede ankern". Aber hier sind Eva und ich ein gutes Team geworden. Später hat dann eine Fernbedienung der Ankerwinsch vom Steuerrad aus gut geholfen, wenn ich alleine oder mit nicht so fitten Gästen unterwegs war. Und so haben wir in der Zeit von Mitte April bis Ende Juli insgesamt ca. 1200 sm zurückgelegt und unzählige Ankermanöver durchgeführt.
Das Revier hier unterteilt sich einmal in die Nordionische See um Korfu herum und die so genannte "Inland See" südlich Lefkas. Das nördliche Revier ist etwas für Langsteckensegler und das südliche für das Segeln unter dem Motto "Badepause mit Segeleinlage", obwohl auch hier Langstrecken möglich sind. Man hat aber jederzeit die Möglichkeit bei ungünstigen Wetterlagen, was im Sommer sehr selten ist, sich hinter einer der vielen Inseln zu verstecken und ruhiges Wasser aufzusuchen.
40 sm südlich des ionischen Reviers und ist somit relativ ungenau. Die Großwetterlage lässt sich aber damit erkennen, wobei aber jede Insel hier eine eigene Wetterwelt hat. Ein Gewitter auf Lefkas beeinträchtigt nicht den Sonnenschein 20 sm weiter auf Ithaka. So lebt man einfach nach dem Motto: Wetter kommt, Wetter geht, irgendwie müssen wir da durch; und morgen ist ein neuer Tag. Der griechische Wetterbericht über UKW morgens um 09.00 Uhr wird meist in einem schwer verständlichen englisch verlesen. Wetterbericht für ganz Griechenland, nach Regionen getrennt, in 10 Minuten, mit dem Zusatz „lokale Abweichungen möglich“. Meist sind es aber die Flauten bis zum Mittag, die nicht so schön sind. Die nachmittägliche Thermik kann mit Windstärken mit bis zu 6 Bft. auftreten, aber auch schon mal bis morgens um 3 Uhr anhalten. "Aber dann wird der Wind für die Touristen abgeschaltet". Auch kann im Osten der Insel der Wind zwischen Flaute und 2 Bft wehen, aber auf der Westseite um 180° verdreht mit bis zu 5-6 Bft "kacheln". Wobei auch hier Unterschiede um 180° zum Beispiel in der Straße von Ithaka oder im Meganisi-Kanal zwischen dem nördlichen oder südlichen Teil auftreten.
Da das Revier so einfach in der Navigation und Strecken ist, ist es gut besucht von Flottillen, meist unter englischer oder holländischer Leitung. Sie stürzen sich jeden Abend in einen anderen Hafen und geben bei den Anlegemanövern für die Sendung "Pleiten, Pech und Pannen beim Segeln" genügend Videomaterial her. Leider ist man einfach nicht schnell genug, die ganzen Pannen mit der Kamera aufzunehmen. Höhepunkte waren bisher das Ablassen eines Ankers in das mitgeschleppte Beiboot, das sich bei der Rückwärtsfahrt vor den Bug drehte. Das vollständig vergessene „Anker werfen“, weil der Ankermann/-Frau gerade mit dem Fotografieren beschäftigt war oder die Ankerwinsch nicht bedienen konnte. Ein Skipper hat sich einmal unsere 8 mm Ankerkette mehrfach um die Welle gewickelt oder ein anderer Skipper unsere Ankerkette zwischen Ruderblatt und Kiel eingeklemmt. Wir nennen die Anlagezeiten inzwischen „Hafenkino“.
Es ist sinnvoll, beim Einlaufen einer Flottille an Bord zu sein, um Schaden zu verhüten und immer einen Fender in Griffweite zu haben. Bewundernswert sind die Flottillenleiter, die mit einer fast sagenhaften Ruhe und einem Lächeln die Situationen bereinigen. Hut ab vor diesen Leuten. Trotz dieser Eigenheiten findet man noch einige ruhige Ecken und kann die Schönheiten des Reviers genießen.003
Man muss ja nicht in der ersten Reihe mit dem Heck in der Taverne liegen, so dass das gesamte Hafenleben sich 3 m hinter dem Heck abspielt. Man liegt viel ruhiger etwas außerhalb und benutzt das absolut erforderliche Beiboot zum Landgang. Wenn der Kai voll ist ,„parkt“ man einfach, wenn Platz ist, mitten im Hafen (Vathi, Lefkas) oder bindet die Landleinen einfach an der nächsten Laterne am Ufer (Kastos) fest. Dieses heißt dann „Laternenparker“. Das Ankern mit Landleinen ist hier weit verbreitet, und es sind schon Ringe an Felsen und Kaimauern angebracht worden, damit die Skipper es einfacher haben. Wobei die Sachen mit den Knoten immer wieder interessant zu beobachten ist. Dabei entstehen interessante Kreationen. Dass sich das ganze fast ohne Hafengebühren abspielt, ist noch ein „Zückerchen“ obendrauf. Verschiedene Häfen und Wirte haben dazu noch WLAN verfügbar, so dass man bei einem Kneipenbesuch mit einem Getränk den Zugangscode bekommt,oder die Stadtverwaltung einen offiziellen Anschluss für die Touristen bereit hält. So ist man über das Internet nicht so weit aus der Welt.
Die griechischen Bewohner dieser Inseln sind zu den Touristen freundlich und hilfsbereit. Uns sind keine Berichte über Diebstähle von und aus Yachten in diesem Gebiet bekannt geworden. Es wird behauptet, dass man hier auf Meganisi noch ein Auto mit steckenden Schlüssel stehen lassen kann, und es ist am nächsten morgen noch da. Die Hilfsbereitschaft ging einmal so weit, als ich bei einem Kaufmann mit seiner Erklärung des Weges nicht klar kam, er kurzerhand sein Geschäft schloss und mit mir über 4 km mit seinem Moped voraus fuhr, um mir den Weg zu zeigen.... Dies ist ein Beispiel für Hilfsbereitschaft. Selbstverständlich haben wir anschließend unseren Einkauf dort getätigt. Bei einem anderen Kaufmann kamen wir mit dem Wechselgeld nicht klar, es wurde einfach angeschrieben. Bezahlt wurde am nächsten Tag.
Dies ist nur ein kleiner Einblick in die Eindrücke und Erlebnisse die wir hier in den fast 4 Monaten bekommen haben. Wir werden noch lange brauchen, dies alles zu verarbeiten. Aber eines steht fest, hier fahren wir noch mal auch mit dem eigenen Schiff hin.......

2009
004Gesagt getan, im April 2009 haben wir dann „angespannt“ und sind mit unserem eigenen Schiff Richtung Griechenland getrailert. Der Weg führte durch den Gotthard-Tunnel an Mailand vorbei nach Ancona. Von dort haben wir die Fähre nach Igoumenitsa (Griechenland) genommen. Die Fahrzeit der Fähre beträgt 15 Stunden, und wir haben die Möglichkeit des „Camping an Bord“ genutzt. Auf der Fähre ist ein Deck teilweise für Wohnmobile und Campingwagen reserviert. Die Reisenden können dann in ihren Fahrzeugen übernachten. Nur der Gebrauch von Gasanlagen zum Kochen und Heizen ist verboten. Es gibt sogar eigene Duschen und Toiletten für die „Camper“ auf diesem Deck. Und 230 V-Anschlüsse gibt es auch.
005Die restlichen 100 km zur Marina in Lefkas haben wir dann auf dem Landweg gefahren. Hier wurde dann unsere „Pipeline“ zu Wasser gelassen. Eva fuhr mit der „Pipeline“ und ich mit dem Auto und leeren Trailer (über Land und mit der Autofähre) zur Atheni-Bucht auf der Insel Meganisi.
Auf der Insel angekommen wurden wir von einigen Bewohnern freundlich wie alte Bekannte begrüßt. Eva lebte auf unserem Boot und ich fuhr mit der „Noah“ Gäste durch die Inselwelt. Unsere Törns reichten von Korfu im Norden bis nach Kefalonia / Ithaka im Süden.006
Zwischendurch machten wir auch einige Kurztrips mit unserem eigenen Schiff zu Nachbarinseln und in, wie wir dachten, abgelegene Buchten. Das „abgelegen“ war ein Irrtum. Wir sahen eine Gruppe mit Geländefahrrädern und einen Schäfer beim Baden. Auch einen Taucher haben wir getroffen, wobei wir nicht feststellen konnten, wo er ins Wasser gegangen war. Er war anscheinend auf der Jagd nach Tintenfischen. Ein Boot oder Auto am Strand war nicht zu sehen. So ganz alleine ist man auch hier nicht mehr. Unsere Katzen, die wir auch mitgenommen hatten, haben das Abenteuer auch gut überstanden und begaben sich auch auf Landgang, ohne zu vergessen, wo unser Schiff ist und sind auch immer wieder gekommen. Manchmal sogar in Begleitung von einheimischen Katzen, die sie dann zu Essen eingeladen hatten.007
In Griechenland wird auch dem Hobby der Pflege von alten Traditionsschiffen nachgegangen. In Lefkas trafen wir auf eine Gruppe Ruderer, die anscheinend ein Problem mit ihrem Boot hatten. Es lag unnatürlich, mit Schlagseite, im Wasser. Beim näheren Hinsehen stellten wir dann fest, dass alle Männer auf einer Seite saßen, um das Schiff zu krängen. Auf der anderen Seite stand ein Mann im Wasser und dichtete das Boot wie früher mit Talgschnur ab.  Im Laufe der Saison trafen wir immer wieder mal auf bekannte Gesichter aus dem vorigen Jahr. Es gab dann ein freudiges Wiedersehen, worauf wir das Gefühl bekamen, dass es nicht nur uns dort gefiel. Unser Klubmitglied Ulli Bradler besuchte uns auch mit einem Charterschiff in unserem Urlaubsdomizil. Es wurden dann auch schon Verabredungen für 2010 getroffen. Ende September machten wir uns dann auf den Heimweg. Wir haben viele neue Erfahrungen gemacht und Freunde gefunden, so dass wir auch in diesem Jahr 2010 uns wieder auf den Weg in „unsere“ griechische Inselwelt machen werden. 008

Eva Maria Hardy und Alfred Metzner