KREFELDER SEGLER-VEREINIGUNG 33 e.V.

Mitglied Des Deutschen Segler-Verbandes
Stützpunkt Der KA
Mitglied Nr. 008 Im Seglerverband NW

Ein Kochtopf im Mittelmeer

Während der Boot 2009 bekamen Eva und ich das Angebot, eine Oceanis 43 von Elba nach Griechenland zu überführen. Erst hieß es, dass wir alleine fahren sollten, aber dann fanden sich noch ein paar Segler, die mit uns fahren wollten. So flogen wir dann am 1.4.2009 nach Pisa, um von dort mit dem Zug, Bus und Fähre nach Elba zu fahren. Dort übernahmen wir dann das Schiff und legten am 4.4.2009 in Portoferario mit 5 Gästen auf Elba ab. Wir hatten 14 Tage Zeit, das Schiff nach Griechenland zu bringen. Die Rückflüge waren schon gebucht. Das bedeutete, dass wir einige Nachtschläge machen mussten.
Unser Weg führte über die Insel Giglio im Toskanischen Archipel nach Ischia. Weiter ging es dann mit einem kurzen Schlag nach Capri, wo wir die Insel besichtigen wollten. In der Marina präsentierte man uns dann eine Rechnung von 190 € für eine Übernachtung. Dabei wies man darauf hin, dass es sich um den Vorsaisonpreis handelte, und es in 4 Tagen mehr kosten würde. Nach dem Preis haben wir dann lieber nicht gefragt. Capri ist eine Touristeninsel, die ständig von Ausflugsbooten aus Neapel angefahren wird, und die Gäste im Stundentakt auf die Insel gebracht werden. Nach dem Helgoländer Motto: Ausbooten, Ausbeuten, Einbooten. Nur, dass man hier keine „Bördeboote“ hat und die Touristen zu Fuß an Land können. Man muss schon etwas weit laufen, um eine Stelle zu finden, an der man nicht in einer Touristentraube die Insel genießen kann. In den engen Gassen der Stadt findet man alle Arten von Luxus-Boutiquen, die ihre Waren anbieten. Die Preise in den Lokalen sind dann auch entsprechend.
001Weiter ging es dann über Acciaroli an den Äolischen Inseln vorbei in die Straße von Messina. Beim Einlaufen in Acciaroli stellten wir dann mal wieder fest, das es immer sicherer ist, sich langsam an einen unbekannten Hafen heranzutasten. Im Hafenhandbuch waren die Lichterkennungen einer Untiefe und die der Hafenmole vertauscht worden. Da es noch nicht ganz dunkel war, konnten wir den Fehler noch rechtzeitig bemerken und ohne Probleme einlaufen. Bei der Nachtfahrt an den Äolischen Inseln vorbei, konnten wir das Schauspiel eines Lava spuckenden Stromboli beobachten. 002Es ist ein grandioses Naturschauspiel, was uns alle begeistert hat.
Plötzlich erscholl der Ruf: Da schwimmt was, etwas Steuerbord voraus, es blinkt!!!! Alle blickten angestrengt nach vorne, um den unbekannten Gegenstand zu identifizieren. Beim Näherkommen stellte sich der unbekannte Gegenstand als ein Kochtopf heraus. Es wurde ein Kochtopf Bergungsmanöver gefahren. Der Kochtopf aus Edelstahl 18/10, 15l war frisch gespült, ohne irgendwelche Essensreste. Wir haben lange darüber nachgedacht, wie der wohl über Bord gegangen war. Leider war der dazu gehörige Deckel nicht zu finden. Das war eigentlich ein angenehmer „Müll“, den wir dort gefunden haben. Leider mussten wir feststellen dass immer noch viele das Meer als Müllkippe missbrauchen und Plastik eine lange Haltbarkeit hat.
Bei der Einfahrt in die Strasse von Messina herrschte zuerst noch eine Flaute, was sich aber schnell ändern sollte.

Kaum hatten wir Punta Pesso am westlichen Eingang passiert, erwischte uns ein Ostwind, der gegen die vorhandene Strömung eine hohe steile Welle aufbaute.003 In der Strasse von Messina bilden sich Gezeiten, die man doch beachten sollte. Weiterhin gerieten wir in einen der Strudel, die sich durch den unterschiedlichen Salzgehalt beim Austausch des Wassers aus dem östlichen und dem westlichen Mittelmeer bildet. Dieses Phänomen wurde schon von Homer in der Odyssee beschrieben, und wir konnten dem Odysseus gut nachempfinden, was er mit seinen Mannen hier erlebt hat. Wir haben uns dann ganz vorsichtig nach Messina in die Marina durchgekämpft. 004 Beim Anlegen half uns dann ein arinero mit seinem Schlauchboot. Er hatte sehr viel Übung darin, uns bei dem Manöver zu unterstützen und unseren Bug bei dem starken Seitenwind in der richtigen Position zu halten, bis die Mooringleine belegt war. Er machte dies bestimmt nicht zum ersten Mal. Der Luftdruck fiel dann sehr schnell weiter ab, und es entwickelte sich ein kleiner Sturm aus Ost, der durch die Düsenwirkung der Strasse von Messina noch verstärkt wurde.Der Schwimmsteg, an dem wir lagen, wurde von den Wellen regelmäßig überspült, so dass auch größere Fische auf dem Steg lagen. Wir haben dann manchen Fisch wieder in sein Element zurück befördert. 005 Bei dem Gang zu den Sanitäranlagen musste man dann immer den Wellenrhythmus abpassen, um einigermaßen trocken das Ziel zu erreichen.
So wurden wir auf diese Weise zu einem Aufenthalt von drei Tagen in Messina gezwungen. Wir nutzten die Zeit, um Messina zu besichtigen. Da wir aber noch früh in der Saison waren, waren die meisten Sehens-würdigkeiten und viele Lokale geschlossen. Durch Zufall haben wir dann aber von den Öffnungszeiten des Doms von Messina erfahren und konnten so auch das Innere und die berühmte Jahrtausenduhr am Turm besichtigen.
Nachdem der Wind nachgelassen hatte, sind wir dann zu dem 240 Meilenschlag Richtung Lefkas gestartet. Die Mannschaft hatte sich schon eingespielt, und die Wachen versahen routiniert ihren Dienst. Am Ende der Straße von Messina näherte sich uns ein Frachter und hielt immer weiter auf uns zu. 007 Auf Grund seiner vielen Rostflecken sah er nicht gerade vertrauenswürdig aus. Wir versuchten, durch leichtes Abfallen ihm aus dem Weg zu fahren Es nütze nichts. Immer wenn wir weiter von seinem Kurs abwichen, folgte er uns, bis er uns schließlich langsam sehr nahe überholte. Der Steuermann der „Marul“ aus Split, wie wir jetzt deutlich lesen konnten, kam auf die Brückennock und winkte uns freundlich zu und ging dann auf seinen alten Kurs zurück. Vermutlich hatte er Langeweile und wollte mal sehen, wer da so um diese Zeit Richtung Griechenland segelt.
Die weitere Überfahrt verlief dann relativ ruhig, obwohl wir noch Windstärken von 7-8 Bft erlebten. Glücklicherweise kam der Wind aus dem NW, so dass wir auf unseren Ostkurs nicht gegen an mussten. Leider stand von dem Sturm der Tage zuvor noch die alte Welle, so dass sich eine recht kabbelige See bildete. Es war trotzdem für alle eine Erleichterung, im Morgengrauen die Küste von Lefkas und Kefalonia zu sehen. Die weitere Fahrt durch die Inselwelt und das Einlaufen in die Atheni-Bucht auf Meganisi war für uns dann schon wie ein Heimspiel.
Nachdem wir das Schiff in der Vlikho Bucht vor Anker gelegt hatten, machten wir uns dann auf die Rückreise nach Deutschland. Da wir noch April hatten, gab es noch keine Direktflüge von Preveza nach Düsseldorf. So mussten wir mit dem Taxi nach Lefkas. Von dort aus fuhren wir mit dem Überlandbus 5 Stunden nach Athen. Zum Glück hatten wir die Fahrkarten und Plätze vorreserviert. Diese Busse sind auch Teil des Postwesens. Es kommen Leute zum Bus, stellen ein Paket hinein, und es wird in Athen von anderen Leuten abgeholt. Erst ging es über das Festland nach Patras und dort über die neue Brücke auf den Pelepones. Das ganze nannte sich Autobahn, aber sie entspricht unseren Verhältnissen nach einer alten Bundesstraße. Hier dann weiter durch die Berge, wo man auf den Spitzen zum Teil noch Schnee liegen sah und dann über eine Brücke über den Kanal von Korinth zurück zum Festland. Wenn man über die Schnellstraße nach Athen hinein fährt, merkt man erst, wie groß die Stadt ist. 009 Es wird behauptet, dass 50% aller Griechen in Athen wohnen. Auffällig sind die vielen Schrotthändler, die links und rechts der Straße in Regalen sauber aufgereiht ihre Ware anbieten. Jeder hat anscheinend ein besonders Fachgebiet. Der eine mit Motoren und Getrieben, der andere mit Türen, Kotflügeln und Motorhauben usw., oder auch Baumaschinen. Die Fahrt endete auf dem Athener Busbahnhof. Von hier mussten wir dann mit diversen öffentlichen Verkehrsmitteln vorlieb nehmen, um zu unserem vorreservierten Hotel zu kommen. Leider wurde dann dabei im Gedränge einem Mitreisenden die Geldbörse mit Ausweisen von Taschendieben gestohlen. Athen ist eine andere Welt, als das Griechenland Drumherum. 008
Aus dem Hotelfenster wurden wir dann mit einem grandiosen Blick auf die Akropolis belohnt. Der Rückflug mit Zwischenstop in Thessaloniki verlief problemlos, so dass wir alle heil und gesund wieder zu Hause angekommen sind, um dann nach ein paar Tagen mit dem Trailer wieder nach Griechenland zu starten.

Eva Maria Hardy und Alfred Metzner