KREFELDER SEGLER-VEREINIGUNG 33 e.V.
Mitglied Des Deutschen Segler-Verbandes
Stützpunkt Der KA
Mitglied Nr. 008 Im Seglerverband NW
09.05.09 Stellendamm
Hier nun mein Versuch Euch ein paar Impressionen von unterwegs zu
senden. Wir sind in der Marina Stellendam am Haringsfliet und bereiten
den Absprung nach Belgien vor. Hier in der Marina ist ein Wifii und das
wird jetzt ausprobiert. Vom Rhein hatten wir eine ruhige Überfahrt zur
Waal und haben im Bisbosh 2 Tage geankert(kost ja nix) und sind dann in
Numansdorp an die Kade zum Mast setzten, was prima funktioniert hat. Der
Mast steht wie ne 1 und so sind wir bei moderaten winden nach
Helevotsluis an die Kade. Da hat es uns bei bis 8 Bft. mächtig ein
geweht. Heute sind wir mit 3Bft. nach Stellendam am Hafen zur Nordsee,
hier gibt es eine Marina mit allem Schnickschnack.
Soviel jetzt erstmal von Robert.
Ich fang auch mal hinten an.
Im Moment sind wir in dem ersten Hafen mit
Komfort und natürlich nicht aufs Mailen vorbereitet, da wir bis jetzt
wirklich alles Notwendige erstmal erledigt haben. Schön in aller Ruhe,
weil wir ja Urlaub haben. Heute war dann schon mal waschen und saugen
angesagt, denn wir hängen am Strom. Unsere Malu und auch wir
waren nämlich mächtig eingesandet. Selber Schuld, denn wer liegt schon
herrlich idyllisch direkt an einer Sanddüne bei 8 Beaufort. Wir haben
schon befürchtet, dass wir den Sand bezahlen müssen.
Die ersten Tage auf dem Rhein und auch der Waal haben wir jeweils 120 km
geschafft, von solchen Etmalen werden wir wohl in Zukunft träumen
dürfen, außer wir segeln 24 Std.
Die erste Nacht im Bijard - holländischer Baggersee - sehr schön und
ruhig mit einem Fesselballon über uns, das hatte schon was. Die Fahrt in
den Bisbosh - kurz vor dem Abbiegen von der Waal - noch die Begegnung
mit dem Robert (Kollege von Erich unserem Schifferbauer) auf seinem
riesigen Schubverband der Veerhaven 8 - war schon ein Knaller. Er hat
das Schiff erkannt und wild winkend auf dem Steuerstand gestanden. Nur
ein paar Minuten später und wir hätten uns nicht getroffen.
Der Bisbosh ist ein Flachwasser Naturschutzgebiet mit automatischer
Kielsand-schmiergelung : Es gab ein lustiges Kontaktraustasten aus
diesem Gebiet.
Das Maststellen war nach 3 Jahren wieder sehr spannend aber dadurch,
dass wir Zeit hatten ganz easy. Wir machen alles langsam und vor allen
Dingen zusammen und so macht es auch Spaß.
An das Segeln konnten wir uns durch moderate Winde auch wieder prima ran
tasten. Es passieren noch kleine Fehler, die uns noch verziehen werden
:-)
In den nächsten Tagen ist auch nicht viel Wind angesagt aber auf jeden
Fall aus der richtigen Richtung, dass ist viel Wert. Also England wir
kommen gaaaaaaanz langsam.

So nun seid von uns herzlich gegrüßt wir melden uns auf diesem Wege
wieder wenn es denn geht. Gebt bitte die Nachricht weiter, falls wir
eine Mailadresse nicht haben. Auch wir freuen uns über Nachrichten der
arbeitenden Bevölkerung.
Da waren wir nun in der Marina Stellendam und haben uns gemüht, Euch
einen ersten Bericht zukommen zu lassen, was ja auch funktioniert hat.
Allerdings kamen wir dadurch erst spät ins Bett und am nächsten Morgen
bimmelte, ob der Tidenzeiten, gnadenlos der Wecker. Okay, dann ging es
flüsternd durch den Hafen zur Goeressluis - das Tor zur Nordsee – wir
waren einsam und alleine, ein laues Lüftchen wehte und nach ner halben
Stunde öffnete sich das Schleusentor. Danach platte See und weiterhin
laues Lüftchen also nix wie hoch mit dem Blister – für Nichtsegler –
dies ist ein riesen bunter Lappen der knisternd dem Schiffchen jede
Menge Vortrieb gibt. Wir alleine auf der Nordsee, war schon
beeindruckend. Alles wurde genau beguckt, sind das Robben auf der
Sandbank? Nein, jetzt heben sie doch ab und Robben können ja bekanntlich
nicht fliegen. Sind das alles Bohrinseln? Nein, es wurden dann die
Steuerstände von riesigen Tankern bis auf einen – das war dann doch ne
Bohrinsel. Es war einfach herrlich, bis auf den Moment, wo ich mich vom
Dach runter vertreten habe und etwas blass nach Luft rang, mein
Regenbogen farbiger Fuß erinnert mich noch heute daran. Na ja, ein
bisschen Schwund ist immer und außerdem passt dieser hervorragend in das
sonstige blaue Flecken Bild
meines Astralkörpers.
Übrigens relativiert sich bei dieser Reise gerade einiges z. B.
Wettervorhersagen, pah alles Lügengeschichten 3-4 Bft. lautete die
Voraussage und es kam wie es kommen musste, 5-6 Bft. und durch die
vielen Sandbänke eine nette Welle, die uns einen sogenannten
Eiertanzkurs abhalten lies. Ich bin heute noch froh, dass ich bis vor
Kurzem auf jedem aber wirklich jedem Kirmeskarussell war, weil dies
ähnelt dem doch sehr.
Also nix wie rein in die Roompot Schleuse
um in einen vermeintlich ruhigen Hafen zu kommen. Nach einem
Anlegemanöver unter beschissensten Bedingungen – Hack querab, eng und
schöne Welle – Segler jaulen jetzt schön schmerzlich auf und auch der
Skipper meinte nur noch: „ Jetzt gibt’s Kleinholz“ wobei ich das eher
als Tupperware Crash bezeichnen würde, habe ich die heraneilenden
Helfenden mit den Worten: „Das sieht alles schlimmer aus als es ist,
beruhigt. Hinterher wurde mir erstmal klar, wie eng das war. Is ja noch
mal jutjejange. Tja‚ Unterschätzung ist auch ne Verschätzung, außerdem
vertraue ich dem Skipper blind, nur er wusste nichts davon. Nach einer
Nacht in der Schlafen Mangelware war und ich im Geiste schon horrende
Summen für neue Festmacher der Urlaubskasse abzwackte, haben wir es bei
nicht abflauendem Wind vorgezogen uns an einen ruhigeren Ort des
Geschehens zu verholen und einen Tag mit so wichtigen Dingen, dann backe
ich halt mal zwei Kuchen und wie treiben es die Kitesurfer in der Bucht
– mein Surferherz schwabte schier über, man ist das ne g….. Geschichte.
Erst noch den Wind gegen an, ging es dann am nächsten Morgen wieder
zurück in die Schleuse. Da die Malu am Steg an der Schleuse
unbedingt ihre Sprunghöhe messen musste, kreisten wir geduldig bis zur
Schleusung. In der Schleuse festgemacht und auf ein Brüllen der Maatin:
„Macht endlich das scheiß Tor zu“ kehrte dann auch Ruhe ein, bis auf das
hysterische Kreischen einer älteren Holländerin auf einem Bootje, was
machte was es wollte. Der Schleusenwärter versuchte verzweifelt zu uns
über Funk Kontakt aufzunehmen, aber wir wussten ja bis dato nicht, das
uns keiner hören kann. Da kam dann auch schon das ältere Ehepaar um mit
ihrem Bootje um an uns fest zu machen. Gesagt getan es folgte ein
kleiner Smaltalk der nur durch herzzerreißendes Quietschen und dem
gellenden Schrei von Robert: „Wir hängen uns auf“ kurz unterbrochen
wurde, cool wurden die Leinen gelöst und wir konnten weiterquatschen.
Als dann draußen nach der Schleuse festgemacht und die Kontakte des
Funkgerätes gefettet waren, erfolgte der Sprachtest mit dem offen
hörlichen immer noch, aufgrund des Treibens in seiner Schleuse,
benommenen Schleusenwärters. Egal, Funke funktioniert wieder, ist doch
viel wichtiger. Was dann folgte, war Eier tanz Nummer zwei. Immer noch den Lügenberichten
in Sachen Wetter vertrauend, sind aus den 4-5 abschwächend,
rechtsdrehenden Winden, 6-7 in Böen 8, leider nicht nur auf unseren
Instrumenten sondern auch dann in dem Moment sehr beruhigenden Meldung
der Coastguard geworden.
Spätestens
ab diesem Zeitpunkt haben wir dann unser Ziel Zeebrügge auf Vlissingen
korrigiert. Durch ein sehr schmales Fahrwasser ging es dann nur noch
unter Motor weiter, vorbei an entgegen kommenden Großschiffen, die
anscheinend über den Strand fuhren. So was hab ich noch nie gesehen. Wir
staunten nur und stellten uns die Gesichter der Badegäste vor, die
aufgrund der Hunderten von installierten Strandgaragen, mit Sicherheit
im Sommer zahlreich vor Ort sein würden. Als dann auch noch ein
Seelenverkäufer – Dampfer von hinten kam, wurde es erst richtig
spannend, denn auch wir mussten im Fahrwasser bleiben, da es außerhalb
der Betonnung sichtbar bis auf 20 cm Wasserstand runterging. Alles
verlief ganz gut und so konnten wir uns die hässliche Skyline von
Vlissingen anschauen. Dies wiederum war so abschreckend, dass wir trotz
der Schaukelei beschlossen haben noch nach Breskens weiter zu düsen.
Dort wollten wir uns dann auch um einen Elektriker für die schon vor
Tagen ausgefallene Lichtmaschine kümmern.
In Breskens am Dienstag angekommen stellte sich dann leider sehr schnell
raus, dass die Lichtmaschine durchgebrannt war. Eine neue wurde dann am
Mittwoch bestellt und dann konnte der Mechaniker erst am Freitag wieder
mit neuem Lima erscheinen, also Zwangspause.
In der Zwischenzeit stellten wir erstaunt fest, dass unsere dunkelblauen
Klamotten immer weißer und weißer wurden, es hat schon ein wenig
gedauert um zu realisieren, dass Salz der Übeltäter war. Kein Wunder
Mensch und Material sind ja auch ausgiebigst geduscht worden. Also
vertreiben wir uns die Zeit mit Schiffs-, Mensch- und Materialpflege.
Auch sind wir in den Genuss einer Düsseldorfer Rheinischen Post gekommen
und wir konnten uns wieder herrlich aufregen.
Am Steg erhielten wir dann noch Besuch von einem Segelpärchen, wovon er
gebürtiger Düsseldorfer ist und mit 83 Jahren immer noch lustig durch
die Lande segelt. Seine Weltumsegelung ist jetzt 30 Jahre her. Na das
sind doch mal Aussichten, oder?
Aktueller Stand der Reparatur ist: Die neue Lima funktioniert nicht und
der Elektriker hat ein Riesenproblem.
Nun sitze ich hier in der Sonne auf einem kleinen Inselchen und mir
juckt es in den Fingern um Euch, die Ihr so lange auf einen Bericht
warten musstet, endlich mal zu schreiben wie das mit der Lima und sonst
so weiter ging. Aber vorne weg nein, wir sind nicht durchgebrannt und
die Insel ist nicht in der Südsee, sondern im Veersemeer NL. Aber der
Reihe nach. Der Elektriker unseres Vertrauens hat sich redlich bemüht
die Elektrizität an Bord wieder in Schwung zu bekommen, so hat er die
Lima auf einem Prüf- und Simulationsstand untersucht und versucht
herauszubekommen wo die Krux liegt. Herausgekommen ist, dass der
Laderegler Marke Sterling das Problem ist, somit wurde eine Diode
anstatt vorgeschaltet und der Regler weggebaut.
16.05.09
Also jetzt haben wir wieder die all so wichtige Unabhängigkeit vom
Landstrom und unsere Kühlung ist autark. Das Wetter sieht nicht gut aus
und so vereinbaren wir einen Hafentag mit Putz- und Flickarbeiten, dann
aber Online am Nachmittag noch mal geguckt, sieht die Aussicht
im WWW wesentlich besser
aus und kurzerhand verschenken wir den Euro für Strom und werfen die
Leinen los Richtung Zeebrügge mit dann doch 5-6 Bft. SW. Durch die
Flamse Banken (eine Untiefen Ansammlung vor der Küste Belgiens) müssen
wir das letzte Stück bis zum Hafen unter Motor zurücklegen. Die Welle
ist enorm und so schaukelt es gewaltig. Anscheinend mag das unser
Dieseltank nicht und der Motor streikt in der Hafeneinfahrt, abtauchen
in den Motorraum um den Treibstoffhahn umzustellen auf den 2. Tank, der
natürlich fast leer ist - wir Bunkern erst wenn der Diesel wie
versprochen in Belgien billig ist – deshalb wurde der Kanister mit 20
Liter Notreserve bei heftigem Schaukeln nachgefüllt, eine riesen
Sauerei, alles (Finger, Bilge, Lappen) stinkt nach Diesel Blick auf Port
Control zeigt für die Einfahrt ROT egal jetzt Daumen drücken, dass der
Motor nicht aussetzt und durch . Alles geht natürlich gut und wir
belegen den letzten freien Anleger im Royal Belgium Yacht Club RBYC weil
um 18:30 der Harbormaster schon zu Hause sitzt. Nach einem kleinen
Abendbrot warten wir aufs Abendrot aber der Himmel wird schwarz und es
blitzt und donnert überall, ein toller Anblick. Nachdem alles
vorbeigezogen ist, hören wir den Wetterbericht um 21:05 1269 Khz
Deutsche Welle.
17.05.09
6-7 Beaufort Böen 8 WSW Regen, also genau unser Wetter . Wir trauen uns
und sagen mal England wir kommen. Hart am Wind ein tolles Feeling, Malu
toll, wir auch, aber eine sch… Welle wegen der Flamse Banken. Also
kreuzen, reffen und dann doch nach halber Strecke ablaufen nach
Blankenberge. Immerhin haben wir das VTG (Verkehrstrennungsgebiet) und
seinen dichten Schiffsbetrieb schon mal aus der Nähe gesehen, vielleicht
geht’s ja Morgen. Nach 45 Seemeilen haben wir jetzt Zeit um das Chaos zu
beseitigen und bereiten ein BBQ42 nach Lhasa Manier. Das ist unser Ein
flammen Gasherd mit Pfanne und Zubereitung am Tisch im Steuerhaus, mit
rundum Blick zum Hafenkino. Wieder Regen und MaLu nimmt den Guss gerne
an, denn der Regen wäscht das Salz ab. Der Hafen von BB ist von
Hochhäusern umgeben und hat eine Straßenbahnhaltestelle von der aus sich
die unzähligen Rentner aller Nationalitäten mit der Straßenbahn
befördern lassen. Wir fühlen uns wie alte Salzbuckel, weil das unsere
erste Fahrt mit 8 Bft. war und keine Schäden an uns und unserem Mädel
MaLu sind.
18.05.09
19.05.09
Dunkerque stinkt!!! Aus einer langen gelben Rauchfahne, die von einer
Raffinerie kommt, stinkt es erbärmlich, sodass ich Kopfschmerzen bekomme
und das wir uns dann auch noch in der Welle feststampfen, ist nach 35
gesegelten Seemeilen auch nicht komisch.
20.05.09
Dunkerque – Boulogne steht
auf dem Plan 45 SM warten auf uns und wir auf den Hafenmeister der durch
Abwesenheit glänzt, die 20,- Euro kann er sich ja holen, denn wie die
anderen Segler am Wartesteiger legen auch wir ab denn die Tide, die uns
so schön schieben soll, wartet nicht. Mit einem lauen Lüftchen unter
Voll zeug (Genua, Fock, Groß und Besansegel) dauert es ewig so ca. 2
Stunden bis die stinkende Hafenanlage hinter uns liegt. Entschlossen
steuern wir unserem Ziel Bologne sur Meer an, scheiß auf Ramsgate, das
wir bei dem Wind wieder nur unter Motor erreichen würden, denn sehen
können wir das Schönste an England, die Kreidefelsen, auch so Wir
umrunden unser erstes Cap (Cap gris nez). Wir sehen die Hafenansteuerung
von Bologne aber die Einfahrt ist ein Suchspiel, auch das meistern wir.
Hier schmeckt der Pastis doch am Besten.

21.05.09
Boulogne – Nieuwpoort 55 SM
Der Plan steht fest, lieber Urlaub unter Segeln als England unter Motor,
also hart am Wind schiebt uns die Tide mit 8,0 Knoten. Später dann für
mich der blanke Horror, das Lot zeigt bei 13 Metern laut Karte nur 1,o
Meter an, ich werde hektisch und Iris supercool sagt nur: „Mach die
Kiste doch einfach aus. Raumschots bis Nieuwpoort-Bank will ich brav dem
Fahrwasser folgen, doch Iris am Ruder doppelcool, nimmt den direkten
Kurs über die Bänke (2,50 Meter, reicht doch) nach Nieuwpoort. Der Hafen
ist auch nichts berauschendes, Baustelle und große Marina. Darum
verfolgen wir unseren Plan weiter.
22.05.09
Nieuwpoort- Vlissingen 38,0 SM
Nach kurzer Motorinspektion (Fett auf
die Welle, Wasser/Öl Kontrolle) überall mal dran rappeln ob sich nichts
gelöst hat. Ist auch das Klapprad, welches im Motorraum fest gelascht
ist, noch immer sicher?
Es wäre schade drum. Gerade habe ich es erst vor
unserer Abreise vom Hafenmeister Rolf geschenkt bekommen und es soll ja
noch zum Einsatz kommen.
Aber bis jetzt brauchten wir noch keine „Brötchentütennavigation“
zu machen, unser Kurs stimmte bis dato. Heute soll es direkt sportlich
zur Sache gehen, Iris am Ruder und ich setze schon mal (nicht als
einziger) das Großsegel weil, das mit dem Geschaukel da draußen nicht so
einfach ist. Doch Port Control zeigt für die Sonntagssegler Rot, weil
ein Dampfer in den Hafen will, alles dreht durch. Endlich draußen,
fliegen wir raumschots bis achterlich und die Stimmung spitzt sich zu.
Wie die Wackeldackel schiebt uns und dann bremst uns die Tide bis
Vlissingen. Im Hafen angekommen blendet uns die tief stehende Abendsonne
und verbirgt uns die Zufahrt. Aber wieso ist da ne Schleuse? In der
Karte nicht klar erkenntlich ist der Hafen hier zu Ende, ein Schild mit
der Angabe VHF 22 bringt bei Anruf Klarheit. Die kleine Schleuse sollen
wir nehmen doch wo ist die, aber wo ein Schiffchen rauskommt fahren wir
mal rein. Wieder binnen ist alles anders. Hier endet unsere See-segelei und wir freuen uns auf binnen segeln. Unser Resümee, wir
haben eine Menge gelernt und wissen jetzt, alles ist möglich. Yes, we can!
23.05.09
Es geht weiter nach Middelburg. Wir
warten mit 6 anderen Schiffen darauf, dass sich die erste von 5 Brücken
in Vlissingen für uns auftut. Es ist sonniges Wetter und wir tuckern
gemächlich durch den Kanal. Die Umstellung ist schon enorm, wir sind
nicht eingemummelt und tauschen immer wieder unsere Klamotten gegen noch
sommerlichere aus. Es herrscht eine himmlische Ruhe, es schaukelt
nichts, wir haben einige Fenster geöffnet und brauchen weder die Schapps
noch die Abwasserhähne zu verriegeln. Ein wenig sind wir irritiert, war
uns doch schon vieles zur Gewohnheit geworden was die Sicherheit und das
Schiff betrifft. Viele, viele Handgriffe fürs Schiff und auch an uns,
wenn es auf der Nordsee dann zur Sache ging . Schnee von gestern, heut
ist binnen alles anders.
Eh wir uns versehen sind wir in
Middelburg. Kleine Brücken verschließen die Zufahrten in die
Stadtkanäle. So machen wir erstmal beim Hafenmeister fest und warten
darauf, dass ein Brückchen hochgeht. Ein Festmacher nur für uns, zwar an
der Straße, ist der Lohn dafür. Wir beschließen die Nacht hier zu
bleiben. Der folgende Stadtgang ist sehr schön, weil immer wieder kleine
Wege durch die Hinterhöfe von uns entdeckt werden wollen. Dann noch der
Trödelmarkt auf dem Marktplatz mit sehr schönen Sachen und ein Bierchen
in einem der unzähligen Straßen Caffee‘s in der Fußgängerzone, mit
ordentlich viel zu gucken, die Zivilisation hat uns wieder. Der Besuch
in einem „Albert Hein“ mittlerweile gemausert zu einem Supermarkt der
Superlative. Hier musste ich doch extrem an meine Segelmädels denken,
die sich mit Sicherheit beim shoppen in den Gassen verloren hätten.
Wieder auf der MaLu angekommen, wird unser also beliebtes BBQ 4 2 mit
der Beute von Hein veranstaltet. Es folgt noch eine Nachtfotosession, um
auch die mitgeführte Kamera besser kennen zu lernen.
24.05.09
Am nächsten Tag, wir sind gerade mit dem Spül von 3 Tagen fertig
geworden, fragt uns die Hafenmeisterin, ob wir noch eine Nacht bleiben
wollen, wir verneinen. Was sie uns allerdings nicht erzählt, das sie
außerhalb der stündlichen Brückenöffnung, sofort die Brücke hochkurbelt.
Wir schauen uns nur an, und schmeißen die Abtrocken Tücher flugs in die
Ecke um diesen ungeplanten Ausschlupf zu nutzen. Auch mehrere andere
Segler nutzen hektisch die Chance. Draußen sehen wir dann warum diese
Öffnung erfolgte, ein ganzer Club von riesigen Motorbooten drängt auf
das Brückchen zu. Wir starten gen Veere, einem angeblich malerischen
Örtchen, nicht ohne den Versuch eine vermeintlich herrenlose Boje die
Robert ansteuert und ich, mit der Stag Stange bewaffnet, bergen soll.
Nur leider krieg ich sie auch zu fassen, was schon wie ein Sechser im
Lotto ist aber das blöde Ding ist anscheinend fest. Da sehen wir auch
schon die vielen Optimisten, die wohl eine Regatta veranstalten. Robert
ruft noch lass los, das ist ne Regattaboje. Scherzkeks, denke ich nur
und kämpfe mit den immer länger werdenden Armen, schließlich gelingt es
mir dann doch unsere unsägliche Verbindung ohne Verluste auf beiden
Seiten zu lösen. Puh, ich hatte mich schon innerlich von der Stag Stange
verabschiedet.
Schneller als wir denken, sind wir in der Schleuse zum Veersemeer. Es
ist Sonntag, ein sonniger Tag und es herrscht ein buntes Treiben auf dem
Veersemeer. Wir tuckern erstmal gemächlich dahin auf der Suche nach
einem schönen Liegeplatz. Immer wieder auf die Tiefe achtend, machen wir
doch glatt einen Steg aus, an dem ein Schiffchen prima liegen kann. Ich
am Ruder gebe Gas, da offensichtlich noch andere Aspiranten darauf
scharf sind. Mein Maart protestiert heftig, weil erstens er mit den
Festmachern noch nicht fertig ist und ich nicht so schnell auf’s immer
flacher werdende Ufer zu jagen soll. Also Ruderwechsel und schon sind
wir fest. Es kehrt die übliche Routine ein und als ich aus dem Bauch von
MaLu auftauche sitzt Robert mit Tisch, Stühlen, Gläsern und dem
Weinkühler auf dem Steg. Ich war sowas von überrascht und hab mich
riesig gefreut. Die nächsten Stunden haben wir glaube ich hundertmal
gesagt: Das ist ja wie im Paradies. Gerade zum verspäteten
Mittagsschläfchen darnieder gelegt, erschall der Ruf eines Ausflugs-schiffchenskapitäns,
er wolle in ner halben Stunde da für die Nacht festmachen. Das war für
uns eindeutig die Vertreibung aus dem Paradies.
Na
ja, ein Stückchen weiter war dann ein natürliches Häfchen mit Festmacher
an denen wir dann zur Ruhe kamen, immer noch an unserem Paradies. Mit
viel Wind ging es dann in die Koje.
Auch am nächsten Tag wechselte der Wind mit der „Ruhe vor dem Sturm“. Wir
haben ausgiebig Wetter geguckt, da ja 360 Grad Blick und über Veere,
direkt gegenüber, ein Gewitter tobte. Erst blieben wir verschont und
konnten die Blitze und den Donner genießen, einfach ein tolles
Naturschauspiel. In der Nacht um 4 Uhr trieb es uns aus dem Bett, der
Wind hatte gedreht und sich zu einem Sturm aufgebaut. Von Blitzen, die
taghell über unserer Koje leuchteten, sowie dem Zerren der MaLu an den
Festmachern geweckt, standen wir im Mittelcockpit. Robert ausgerüstet
mit Regenzeugs und ich im Morgenmantel, war schon ziemlich bizarr.
Unsere Plane drohte uns um die Ohren zu fliegen und die Blitze gingen so
grell unmittelbar über uns hernieder, dass selbst ich das Wetter nicht
mehr genießen konnte, sondern nur noch hoffte, dieser Spuk möge bald ein
Ende haben.
Irgendwann sind wir dann wieder
in die Koje und alles ist noch mal gutgegangen. Am nächsten Tag haben
wir uns kurz mit den einzigen holländischen Nachbarn ausgetauscht, die
ebenfalls angst um ihre Plane hatten. Bei einem Strandspaziergang hat
Robert dann ein riesen Holzpaddel gefunden und sich gefreut über die
neue Stagstange. Er zog ab mit seiner Beute und ich war weiter auf
Strandgut aus und siehe da, das nächste Paddel wurde geschultert und als
Beute auf der MaLu festgemacht. Als dann am Abend eine Rudergemeinschaft
auftauchte, hat Robert sie ran gepfiffen und die Paddel überreicht.
Am nächsten Tag sollte ein Stadtgang
in Veere mit Einkauf von lebenswichtigen Naturalien erfolgen.
Ausgerüstet mit unserem Hackeporsche ging es dann über das
Kopfsteinpflaster durch Veere, auf der Suche nach einem nicht
vorhandenen Lebensmittelladen. Nur mit der Genua abgelegt, da schon
wieder schöner Wind, ab zum nächsten Einkaufsort Kortgene. Mit Regen und
viel Wind legten wir dann kurz vor der Schleuse zur Oosterschelde dort
an. Der ortsansässige Sparmarkt gab dann wieder alles für unser
heißgeliebtes BBQ 4 2 für mehrere Tage her. Nass wie die Pudel ab zur
automatischen Schleuse. An dem Festmacher für Sportboote harten wir der
Dinge die da kommen und flugs ging die Brücke vor der Schleuse hoch und
ein Segler kam raus.
Ein Segler nach uns, machte gar nicht erst fest und
fuhr bei grün direkt ein, wir hinterher und plötzlich zeigt die Schleuse
Rot und die Brücke kommt runter. Robert geht irritiert vom Gas und ich
brüll, halt drauf. Der Schleusenwärter aus dem Jenseits scheint dann
doch die Situation zu blicken und stoppt die Brücke und schaltet auf
grün. In der Schleuse stellen wir dann fest, dass alle Videokameras
dieser Welt hier vereint sind, ne wirklich wir haben 40 Stück gezählt
aber anscheinend keine am Sportbootfestmacher.
Der Wind frischte wieder mal auf 5-6 in Böen 7 auf und wir nur mit der Genua
dem Fahrwasser folgend Richtung andbrück um dann nach rechts
abzubiegen um einen Vluchthafen kurz vor der Schleuse zum Grevelingermeer zu erreichen. Erst
gegen die Strömung, aber dann mit 7 Knoten vor dem Wind ohne die
Nordseewelle, einfach herrlich. Der Vluchthafen war dann nix, gibt’s für
Sportboote nicht mehr, nur noch für Fischer. Also ab durch die nächste
Schleuse zum Grevelingermeer und danach direkt festgemacht an der
Mosselbank, auch wieder ein kleiner Naturhafen an einer Insel.
Nach einer ruhigen Nacht beschäftigen wir uns mit Messing polieren und Dingi
auf dem Schiff aufbauen und möglichst auch für mich möglich zu Wasser zu
lassen. Will ja alles mal geprobt sein. Robert düst dann mit der
Minimalu zum Hafenmeister in Bruinisse um den hier sinnvollen Wimpel für
eine Saison für 46 Euro zu erstehen, der einem erlaubt bis zu längstens
3 Tagen an einem von den zahlreichen Naturhäfen festzumachen. Hier treiben wir uns dann bis
Pfingstmontag rum um dann in Numansdorp wieder die Masten zu legen und
uns auf die Heimreise zu begeben. Vielleicht gibt’s auch noch mal einen
Aufenthalt im Hafen von Brouwershaven.
04.06.09
Ruhige Tage auf Lek - Boven Rijn und Rhein
Alles ist verpackt und festgelascht jedoch war das Mastlegen nicht ganz
so flott wie das stellen vor langer Zeit oder lag es allein an der
Widerwilligkeit der gesamten Aktion , wir mögen es halt nicht well Malu gestutzt wird aber wir machen das beste aus der Situation.
Raus aus der Hafeneinfahrt und dicht
unter Land in Richtung Dordrecht, das haben wir uns für den Rückweg
ausgedacht um den Lek zu befahren und dort noch gemütlich die Nacht mit
Ankern zu verbringen. Vor uns liegt die Schleuse Hagenstein die Fender
sind draußen und wir denken noch das wir auf das Nächste Binnenschiff
warten müssen und schon macht die Schleuse auf und wir werden auf UKW
angerufen ich habe die Festmacher noch in der Hand und die Funke in der
anderen , könnte ja wichtig sein ! Aber nein der Schleusenmeister kennt
ein Belgische Lied über Mari- Luise wie prima dann kriegen wir eine
schnelle und kurzweilige Schleusung. Eine ruhig Landschaft und viel
Zeit für Unterhaltung geht im Baggerloch bei Heteren nach ca. 200 Strom
Kilometer zu ende.
05.06.09
Bei Arnheim heist unser Fahrwasser Pannerdens Kanal und wir merken die
ersten Auswirkungen der Rhein ströhmung. Am schönen Bijard vorbei gehen wir längsseits ans Bunkerschiff weils
so schön billig in NL. Ist. Ein Binnen schiff Kapitän kennt wohl die
Länge seines Schiffes nicht oder will Sport boote einfach nicht sehen
nachdem Iris Ihn mit der Trillerpfeife zu Recht gepfiffen hat macht er
brav Platz.
Ab Rhein Kilometer 863 sind wir auf dem Boven Rijn in
Richtung Emmerich. Zum Stadtfest gibt es für uns ein Bierchen nach Alter
Braukunst.
06.06.09
In Wesel besuchen wir den Ruderclub und verbringen eine entspannten
Abend an Bord und planen die nächste Etappe vielleicht machen wir in
Krefeld fest oder aber wenn es zu spät wird in Duisburg.
07.06.09
Es kommt ja doch immer anders beim Schiffchen Fahren wir binden uns im
Ruhrorter Jachtclub an den Wackeligen Steg und freuen uns am Ruhrorter
Hafenkino.
07.09.09
Bis Düsseldorf fahren wir winkend an Krefeld vorbei undSpulen die Anstrengendsten Kilometer ab.