KREFELDER SEGLER-VEREINIGUNG 33 e.V.

Mitglied Des Deutschen Segler-Verbandes
Stützpunkt Der KA
Mitglied Nr. 008 Im Seglerverband NW

Vater Rhein und seine Männerkinder

An alle Freunde der Südhalbkugel, der Nordhalbkugel, der Realität und des Rheins Es handelt sich nachfolgend nicht um eine frei erfundene Geschichte für den Spamfilter, sondern um eine weitere Chance den Fortsetzungsroman meiner kleinen Guten-Morgen-Wir-Leben-Noch-Wild-Und-Gefährlich-Geschichtenreihe zu lesen und mir dann eine Nachricht zu schicken in der auf die Zusendung weiterer Folgen wohlwollend verzichtet wird.
Als ich im Frühjahr aus Neuseeland zurückkam habe ich mich spontan für eine Idee aus unserem Segelverein begeistern lassen:
„Mit den kleinsten verfügbaren Booten eine Tour den Rhein runter Für Landratten: das bedeutet, man fährt mit dem Wasser nach Norden, nicht auf der Landkarte nach unten). Bedingung: das Boot darf nicht mit einer Kajüte (F.L.: mit festem Dach oder Aufbau) und auch nicht mit einer eingebauten Toilette ausgestattet sein und die Mannschaft darf nicht erwachsen werden wollen.
In der ersten Septemberwoche ging es dann mit drei Booten und 6 jungen Alten zwischen 36 und 51 Lebensjahren ab Stromkilometer 303 (F.L.: zählt von der Quelle aufsteigend zur Mündung und ist auf riesengroßen Schildern in 100 Meter-Schritten am Ufer ablesbar, Wahnsinn nicht wahr?) zu Tal. Die erste Nacht waren wir noch getrennt, da Karl und ich schon das Boot ins Wasser geslippt (F.L.: Boot von Anhänger ins Wasser bringen und möglichst den Anhänger dabei nicht zum Nibelungenschatz werden lassen, sondern wieder rausbekommen aus den Fluten) hatten. Uli, unser lieber Fahrer, war dann schon wieder zurückgefahren nach Krefeld.
Wir nutzten die Animinimo, eigentlich unser Beiboot, auch Rüttelplatte genannt, da der Einzylinder-Diesel an einschlägige Baumaschinen erinnert. Mit einigen Brettern und Plane konnten wir auf dem Minidampfer in Löffelchenstellung um den Motorkasten herum sogar schlafen. In den ersten Nächten unter freiem Himmel danach immer nass und mit tropfender Persenning (F.L.: Plane).
Die beiden anderen Boote sind kleine Segler, eine Falk (F.L.: nicht so wichtig) und eine BM (F.L.: auch nicht wichtig) die mit gestelltem Mast und jeweils zwei Außenbordern unterwegs waren. Es sollte alles recht rustikal werden! Wir wollten mal wieder klein sein und die Peinlichkeitsgrenze spüren und, wie bei „Herrentouren“ selten, nur nach der täglichen Fahrt trinken, aber dann auch kräftig und ausgelassen wie bei solchen Touren üblich, Frauen und Kinder regelmäßig anrufen und über die Heldentaten berichten, aber immer mit Schwimmweste um, - für die verbleibenden Lebenslagerfeuer, wieder Geschichtentreibstoff tanken.
Der Mix der Truppe war erheblich, Karl, mein Partner, Lackierer und Sandstrahler, nur einmal im Leben Urlaub gemacht am Ijsselmeer, 45 Jahre(mit Karl abzustimmen); Andreas vom Motorradmechaniker auf Zahnarzt umgeschulter 41jähriger (mit Andreas abzustimmen), der ein Behandlungszimmer seiner Praxis für Boots-Modellbau und seine Drehbank reserviert hat, und nun etwas kürzer, da wir sonst zum Personenkult gefährliche Nähe entwickeln und ich glaube Ihr könnt Euch den Mix der Truppe jetzt schon vorstellen; Joseph 51, Oliver 36, Alex 47 und ich.
In der ersten Nacht schliefen die anderen im Zelt, Hartwig einer der lieben Fahrer, auf der Pritsche des Zugfahrzeugs und Zahnarzt Andreas schlief auf der Parkbank an der Natorampe bei Freistett, die am 1.9. zum slippen genutzt wurde. Er war am Morgen nach etwa 20 Stichen in die Stirn so stark geschwollen, dass wir ihn kaum erkannten.
Am ersten gemeinsamen Tag ging die Fahrt noch gemütlich über den Rhin (kanalisierter Rhein mit Grenze zu Frankreich linksrheinisch bis zur letzten Schleuse bei Iffezheim. Danach mit der jeweiligen Strömung bergab. Wir hatten Hochwassermarke I und viel Wasser, wir machten etwa 15 km über Grund in der Stunde und so war das Etmal (F.L.: Was glaubt Ihr was das bedeutet ??) von 77 km am Abend in Germersheim schnell erreicht.
Mit unserem Erscheinungsbild polarisierten wir gut und gerne die Gemüter in den Yachthäfen. Wir konnten begeistern durch den krassen Gegensatz zum allgemeinen Eindruck eines gepflegten Vereinshafens mit Renommee und wurden auch einmal mit einem Riesenleberkäse von der Barmherzigkeit einer Frau überzeugt, oder mit der Bemerkung hofiert, dass es so was noch gibt, toll! Aber nicht immer! Wir konnten auch die bewusste Distanz aufsaugen, die uns zu Teil wurde von den Stegnachbarn, die unser Ankommen als echte Bewährungsprobe und Schicksalsschlag zu begreifen schienen. Wahrlich, es war auch nicht immer einfach. Karl hatte nämlich leider die Fahrt so vorbereitet wie man ein Minigolfturnier, nicht aber eine Bootsfahrt durchsteht. Regenfestes Material fehlte gänzlich. Unsere Rüttelplatte ging aber regelmäßig in den Heckwellen der Berufsschiffe oder auch in Kreuzseen an Spundwänden mit dem Bug unter Wasser, wir pumpten also kräftig und alles was Karl mitgebracht hatte war dann nass. Die Stege an denen wir anlegten wurden innerhalb von Minuten von Karl als Trockenfläche vereinnahmt und zweckentfremdet. Meistens lachten die Leute dann mit uns über die derben selbstironischen Witze. Wir belegten schnell alle Sitzmöglichkeiten und möglichst die Tische für eine ausufernde Malzeit, begleitet von kleinen Bierfässchen und anderen Leckereien.
Nach der ersten Nacht kam nun die zweite. Karl legte sich kurz vor mir in seine steuerbordseitige Kuschelecke um den kleinen Motorkasten mit Kopf zum Bug, ich erhielt die backbordseitige mit Kopf zum Heck, wir schauten noch mal den Sternenhimmel an und weg waren wir in unseren Träumen von wilden Strudeln, den Medusen der rheinischen Ebene und Motorschäden. Karl hatte wohl auch Träume von Wäschetrocknern, aber leider konnten seine Träume sich nicht bis in die Realität durchfressen. Am Morgen staunten wir nicht schlecht über die unerklärliche Wendung die dem ruhigen Abend wohl noch gelang. Nach Rückkehr der Germersheimer Wassersportler vom örtlichen Stadtfest wurden unsere Kollegen noch mit zum Feiern geschleppt, alle Musikinstrumente und der Hochprozentige bemüht, im Vereinsheim ging es noch lange hoch her. Unsere Jungs sahen zum Frühstück etwas getroffen aus und zeigten sich durchaus beeindruckt von Feierlaune im Badischen.
Die Vorbereitungen von Frühstück, hygienischer Grundversorgung und systematischer Aufbereitung der Heldentaten des vergangenen Tages, strengten an. Unter erheblichem Stöhnen wurden auch die Gliedmaßen vom Trauma der Liegeflächen befreit. Auch hier wurde nochmals deutlich wer sich besonders gut für den Ausflug eignete: Peinlich durfte einem nichts sein! Die Boote nach ausgiebigem Frühstück unter freiem Himmel wieder flott zu kriegen war bei der Enge insbesondere auf der Animinimo besonders langwierig. Karl und mir gelang auch das Kunststück jedes Mal eine gänzlich neue Ordnung für alles zu etablieren. Aber an der Nässe änderte das auch nichts. Von Germersheim fuhren wir am 2.9. 95 km nach Oppenheim, wo wir leider gar keine sanitären Anlagen vorfanden und deshalb in Tonis Grillstube bzw. der nächsten Tankstelle vorstellig wurden.
Wir hatten zwar nicht darüber geredet, aber intuitiv stellte sich ein Grundkonsens über die zu besuchenden Kulturschätze und Sehenswürdigkeiten ein: Kein Interesse. Es wurde eben tagsüber viel Zeit benötigt um den neuen Tag standesgemäß zu begrüßen, danach wurde gefahren und abends genügten wir uns wieder auch ohne Stadtführung in Worms oder Speyer. Von besonderem Unterhaltungswert waren auch die Raucher-Reisevorbereitungen von Joseph, Vermessungsingenieur, PC und Netzwerkmann, der kurz vorm Ablegen immer mit seinen Zigarettenmaschinen kämpfte. Einmal war die Ultrasize-Familiengroßpackung mit den Hülsen nur noch mit Angel und Haken aus dem Hafenwasser zu fischen. Danach sortierte er den Mikadostäbchenhaufen mit erstaunlicher Inbrunst, fast alle Hülsen hatten den Wassertest überstanden.
In einem flachen Boot ist die perspektivische Nähe zum Wasser groß, man meint sogar das Gefälle zu sehen. Die Berg- und Talfahrt ist über Strecken nichts für Leute mit Hang zur Seekrankheit, man wird heftig durchgeschüttelt und es fühlt sich teilweise doch ein wenig an wie ein Ritt auf Lama oder Kudu, dann wieder gibt es Zeit zum Träumen und beschauliche Ufer mit Blick in die grünen Wälder der Nibelungen.
Von Oppenheim ging die Fahrt nach St. Goar über 77 km. Auf dieser Strecke geben sich bekannterweise nicht nur die Fahrgastschiffe mit den Touristen aus aller Welt die Heck- und Bugwellen in die Hand, sondern hier stehen sie auch zu Hauff am Hang, die protzigen Villen der Vergangenheit, die Schlösser und Burgen, an die sich der Australier nach 25 Jahren noch erinnern kann! Die so genannte „Gebirgsstrecke“ fuhren wir mit gemischten Sicherheitsgefühlen bei gutem Wetter und hatten keine nennenswerten Probleme aber beste Laune. In St. Goar ging nach dem erfolgreichen Anleger und der großflächigen Verteilung von Trockenübungen die gesellig gemütliche Übernahme der lokalen Steg- und Vereinsanlagen los.
Wegen der Bewältigung des schnellsten und wildesten Stücks wurde nun erst recht ausgelassen gefeiert und Versuche gestartet, die Lieder über die Loreley zusammenzubringen. Auch addierten sich wieder neue Heldentaten von Manövern und ersten Reparaturen, sowie Vermisstenmeldungen für eine Ausrüstungsgegenstände und Schuhwerk. (Andreas hatte zwar eine wohlüberlegte Ausrüstung, aber nach Totalausfall seiner hundertjährigen Wanderschuhe nur noch die Badelatschen). Das ist natürlich der Stoff aus dem die Heldengeschichten wieder aufgefrischt werden! Insbesondere wenn man im Segelkombi (F.L.: Schwerer meist einteiliger, gefütterter regendichter Anzug mit integrierter Kapuze) und Badelatschen in der örtlichen Kneipe aufschlägt, die dem Hafen am nächsten liegt. Überhaupt erscheinen mir solche und andere Herrentouren ab nun erklärlicher, da nach dem ersten Tag ein Gefühl der Heldenhaftigkeit gepflegt und weiterentwickelt wird. Unsere Truppe war darin durchaus überdurchschnittlich fähig. Insbesondere durch den herausragenden Chronisten Oliver, der ohne Abnutzungserscheinungen die Highlights der Fahrt besingen kann, sowie Karl, der trotz schwerer Unterkühlung unentwegt auf den Auslöser seiner Kamera drückte. Wenn er sich nicht so verantwortlich für die Bilddoku gefühlt hätte, wäre er sicher noch wegen der Unterkühlung ausgefallen. Wenn die Welt an digitalen Fotos genesen könnte, würde Karl (auch Würger Karl genannt) sicher bald heilig gesprochen.
Das Wetter ließ uns zunehmend zu wünschen übrig, somit waren die Nächte ab nun von der allgegenwärtigen Persenning geprägt, die einem bei den häufigen Schlafstörungen mit Kondenswasser im Gesicht oder dem Schlafsack hing. Auch das Verbinden von Persenning mit der Steganlage brachte nur bescheidene Zirkulation dafür aber spektakuläre Geräusche.
Überhaupt lernt man sich ja doch gut kennen auf undichten Luftmatratzen, bei Bewegung heftig schwankenden Booten und den nächtlichen Versuchen, über den anderen hinweg den Schlupf ins Freie zum Pinkeln zu finden. Auf den Segelbooten war es etwas besser, da die Persenning über dem Baum doch darunter wesentlich mehr Platz ließ. Die Befreiungswirkung der morgendlichen Streck und Dehnmanöver ließen nach der dritten Nacht etwas nach. Wir versuchten, die Schwierigkeiten durch immer lauteres Stöhnen, Gähnen und verwandte Geräusche zu bewältigen. Das hilft wirklich! Aber peinlich darf einem nichts sein, wie gesagt. Die Bootsnachbarn sind ja immer auch in der Nähe, man befindet sich sozusagen in einem öffentlichen Raum und Wasser trägt auch noch den Schall! Das kann man sicherlich auch als Chance begreifen sich mal richtig ungeschminkt einzubringen und das ist uns allen recht gut gelungen.
Von St. Goar fuhren wir am 4.9. 85 km nach Bad Honnef. Wir können ja wirklich froh sein das der Vater Rhein vor einigen Jahrmillionen mal aufräumte in seinem Leben und von da an nicht mehr mit seinem alten Schwesterchen Rhone ins Mittelmeer floss, sondern sich nach Norden durchwühlte und seine Entscheidung bis heute nicht änderte. Wirklich immer wieder eine imposante Fahrt bis sich dann nach dem Siebengebirge die Flachheit der Rheinischen Ebene wieder durchsetzt.
Ich hatte Karl vor der Reise schon angekündigt die von ihm nicht angemessen gewürdigten deutschen Philosophen besprechen zu wollen, doch als er dann so neben mir kauerte, hinter meinem Regenschirm, mit der Selbstgedrehten, in den nassen Sachen, trotz verschiedener Wassereinbrüche immer noch beteuernd, dass er teilweise trocken geblieben sei, da bekam ich doch ein Einsehen. Wir tauschten kurzerhand Thema und Spiel und teilten nun die vorbeiziehenden Containerbrücken in zwei Kategorien ein: Solche, die mit Beteiligung von Karl lackiert wurden und solche die er nicht wieder erkannte (mit Karl abzustimmen)– auch ein netter Zeitvertreib.
Wie das Thema „Was von uns Helden für die Nachwelt übrig bleibt“ zwischen Frank Alexander genannt Alex, als Schlosser bei der Müllverbrennung Krefeld tätig (mit Alex abzustimmen) und Oliver, gelernter Bootsbauer und auf dem Bau tätig (mit Oliver abzustimmen), diskutiert wurde, kann ich nicht sagen, aber der sichtbare Eindruck war: Die Schwere der Existenz wurde in den schaukelnden Nussschalen sehr erträglich und trotz tiefhängenden Wolken und Gischt im Gesicht blitzte immer mal die Leichtigkeit des Glücks bei flüchtigen Blickkontakten übers Wasser. Besonders Alex, der in frühen Jahren auf großer Fahrt (F.L.: Seemann) über die Weltmeere ging, sieht dann wohl immer das besondere Etwas hinter dem Horizont.
Aber was macht denn einen Mann erst zum richtigen Helden, dieser zentralen Frage müssen wir uns nun noch stellen! Die klare Antwort für richtige Jungs und solche die es noch werden wollen: Erfolgreiche Motorreparaturen unter erschwerten Bedingungen unter Beteiligung von beeindruckten Zeugen - das ist die Wiege der Helden!
Neben einer virtuosen Reparatur der Außenbordhalterung durch Andreas (ohne Einsatz von Dentalklebern) kam es zur ultimativen Bewährung als mein Einzylinder-Diesel seinen Dienst versagte und trotz geprüfter Einsatzbereitschaft im entscheidenden Moment auch der „Not-Außenborder“ seinen Streik begann. Nach einer Weile Dümpeln und Treiben, glücklicherweise relativ weit am Rand, war „Abschleppen“ bis zum nächsten sicheren Platz nicht mehr zu vermeiden. Mit der rote Flagge wurde dem nächsten Berufsschiff die Manöverirunfähigkeit angezeigt und nach einigen haarsträubenden ersten Ansätzen zogen die Segler die kleine Animinimo in die nahe Siegmündung, wo der Anker geworfen und die Heldentaten ihren Lauf nahmen.
Andreas hat sich mit Leib und Seele hinten am Außenborder vergnügt und hatte diesen in Rekordzeit ohne doppelten Boden über dem Wasser zerlegt während Karl und ich den Diesel instand setzten. Zur Wiederherstellung der Spritversorgung wurden Dichtungen aus den Plastikdeckeln von Konservendosen geschnitten, eine neue Leitung für die Versorgung aus dem Tank gelegt und auch eine Handvoll Kaugummi wurde zielsicher dichtend eingesetzt.
Die Heldentaten wurden auf engstem Raum und unter echten Wettkampfbedingungen erfolgreich durchgeführt. Seither gibt es in unserem Verein wieder munteren Gesprächsstoff und zumindest Oliver wird, so mein Eindruck, das Gedenken dieser heroischen Bezwingung der widerspenstigen Materie noch viele Dutzend Mal beschwören und die ganze Kür wird über die Jahre immer dramatischere Züge annehmen und das ist recht so, denn gute Geschichten braucht das Land!
In Bad Honnef kam ein Mann auf uns zu, der vorher an einem kleinen Rennboot rumgefingert hatte und sich von unserem Lager auf seiner Steganlage sichtlich angezogen fühlte. Nach hektischen Fragen zum Woher und Wohin schimpfte er kurz über den Rentnerverein in dem er sei und lobte uns für den Mut zu unserer Fahrt. Plötzlich zog er eine kleine Flasche Jägermeister aus der Tasche, sagte „daheim darf ich ja nicht, prost!“. Danach fragte er nach unseren Pläne für den Abend und empfahl uns nicht in den Ort zu gehen, sondern zu der nahen Insel Nonnenwerth im Rhein, dort vor Anker zu gehen, da sei ein Mädcheninternat, dort „ging immer was“. Wir grübelten noch lange darüber nach, was er uns wohl damit wirklich sagen wollte und vor allen Dingen warum.
Von Bad Honnef ging es am 5.9. nach Leverkusen-Hitdorf über 56 km. Die Knochen taten weh und der ewige Ausgleich des Schaukelns durch die Muskulatur verursachte ein „wie Muskelkatergefühl“. Die besten Vorräte waren verbraucht, aber das Wetter war schlecht bis halb schlecht.
Neben den vielen idyllischen Ufern und Ausblicken in die Natur, bleibt aber auch der Eindruck einer Wasserautobahn, auf der wir mit Kleinstfahrzeugen die überdimensionierten anderen Schiffe erst in ihrer ganzen Dimension begriffen. Es fahren soooo viele Frachter auf dem Rhein und es geht ohne Unterbrechung 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Die Schiffer sitzen heute in einer Leitzentrale mit modernsten Anlagen und fahren ein echtes Hightech Fahrzeug mit mehreren 100 Metern Länge über einen Fluss, der für den Verkehr optimiert ist. Die ewigen Fragen stellten sich auch immer häufiger.
Muss das denn alles sein mit dem endlosen Strom von Containern? Wie können bloß die Fische bei dem Unterwasserlärm gedeihen? Könnte man nicht mal für ein Sonntagsfahrverbot demonstrieren? Wie leben die Binnenschiffer, diese eingeschworene Gilde und Parallelgesellschaft mit ihrem Vagabundendasein? Ist das auch alles richtig was die moderne Welt da durch den Rhein bewegt? Na ja, die Schwere des Gemüts hatte dann auch wieder ein Ende.
In Leverkusen hatten wir einen sehr einfachen Steg und die Vereinsmitglieder waren früh am Abend schon fort. Wir annektierten das Reparaturzelt mit Schraubstock und Sitzbank für das Abendessen. Nach einem Stadtrundgang kamen wir zurück und legten Karls 6qm großen Kartoffelsack (Schlafsack & Matratzen-Kombilösung auch Steppbett genannt) als Gemeinschaftsmatratze unter das Zeltdach auf den Holzboden, um nicht wieder in den Booten schlafen zu müssen. Langsam wurden die Bedingungen doch auch schwieriger, da die Bandscheiben schmerzten und die Kondition hier und da Risse bekam. Am letzten Morgen war die Sicht schlecht, es war nass und feucht, aber nach ergiebigem Stöhnen und innovativen Morgentoiletten war die Stimmung doch wieder auf Betriebstemperatur. Die 57 km nach Hause waren dann noch recht aufregend. Die Fahrt durch Düsseldorf und natürlich der tolle Empfang noch auf dem Rhein in Krefeld durch Vereinskollegen und Fanclub waren echt bewegend. Die Happy & Willkommen-Gulaschsuppe im Heimathafen war dann der krönende Abschluss.
Also wenn es im menschlichen Dasein nur darauf ankommen sollte, in der Umkleidekabine zwischen Leben und Tod nette Geschichten erzählen zu können, dann war es auf jeden Fall ein lohnender Ausflug.
So das war’s mal wieder. Viel Spaß noch mit dem bildlichen Beweismaterial.
Euer Hilmar