KREFELDER SEGLER-VEREINIGUNG 33 e.V.
Mitglied Des Deutschen Segler-Verbandes
Stützpunkt Der KA
Mitglied Nr. 008 Im Seglerverband NW
2006 Paris, 2007 Berlin auf eigenem Kiel.
In unserem Reisebericht vom Vorjahr haben wir schon einige Parallelen zwischen den beiden europäischen Partnerstädten aufgezeigt.
Was liegt nun näher, bei einem Törn vom Rhein an die Havel und die Spree einige inner-deutsche - präziser: rheinländische gegen preußische
- Betrachtungen anzustellen; bloße Fakten über Berlin kann jeder in einem Reiseführer selber nachlesen!
Was haben die mitteldeutschen Urstromtäler mit der rheinischen „Compagnon“ aus Krefeld zu tun?
Ganz einfach: Sie haben unseren wunderbaren Törn nach Berlin und Brandenburg ermöglicht!
Während die großen Stromsysteme Mittel-Europas - Rhein, Weser, Elbe, Oder und Weichsel -
alle nordwärts gerichtet sind, ist die West-Ost Verbindung auf dem Wasserweg nur schwach oder gar nicht ausgeprägt:
Daher war z.B. die künstliche Wasserstraße des West-Ost verlaufenden Mittellandkanals auch ein Epoche machendes Bauwerk.
Eine Ausnahme machen da die natürlichen Gewässer von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Sie entstanden, als sich während der Eiszeiten die von Skandinavien vordringenden Gletscher
gegen das nach Süden geneigte mitteleuropäische Land vorschoben.
Bei ihrer Abschmelze suchten sich die Wasser einen Weg, der nur in Ost-West Richtung verlaufen konnte,
und schufen so die einzigartige Wasserlandschaft von Havel, Spree, Brandenburgische Gewässer und Müritz.
Und Berlin liegt genau an der engsten und damit verkehrsgünstigsten Stelle eines dieser Urstromtäler.
Was hat Cölln mit Köln zu tun?
Ganz einfach: Gar nichts!
Cölln ist nicht etwa eine mittelalterliche Gründung von Aussiedlern aus Köln, sondern die etwas ältere Schwesterstadt von Berlin,
die im Jahre 1307 mit ihr vereint wurde; eine Verbindung zu Köln besteht nicht.
In den heutigen Ortsbezeichnungen ist von Cölln nichts mehr zu spüren.
Welch andere Entwicklung hat Kölle genommen!
Pardon, vielleicht doch eine Parallele: Die Lust an skurriler Namensgebung!
So heißt zum Beispiel die mit 0,7 Metern nur geringfügig niedrigere Erhebung als der (natürliche) Große Müggelberg:
„Monte Scherbellino“ - das hätten auch die Kölner erfinden können!
Es sind die Trümmerreste aus den Ruinen des 2. Weltkrieges, der Berlin und Köln gleichermaßen verwüstete.
Und noch eine Parallele: Die Mauern! In der Nähe von Köln nannte man sie damals „Limes“, in Berlin „Eiserner Vorhang“.
Was hat Berlin mit Bonn zu tun?
Ganz einfach: Ein bisschen nichts und ein bisschen alles!
Ein bisschen nichts: Berlin ist zehnmal so groß wie Bonn; Bonn ist Kleinstadt, Berlin Welt-Metropole;
Berlin ist märkische „Streusandbüchse“ und Bonn „de Ring“; Bonn ist rheinländisch/napoleonisch;
Berlin ist preußisch (obwohl um 1700 rund 20% französische Hugenotten waren); Berlin ist 1200 Jahre jünger als Bonn, ein richtiger Parvenu;
Bonn ist viel schöner als Berlin; Berlin ist viel schöner als Bonn…
Ein bisschen alles: Beide Städte haben Geschichte geschrieben; ohne die „Bonner“ Republik wäre die jetzige „Berliner“ Republik nicht möglich gewesen
(aber auch umgekehrt ); sie sind/waren beide Hauptstädte; sie sind durch die Namen verbunden:
Bundeshauptstadt Berlin und Bundesstadt Bonn; beide beherbergen Bundesministerien; und beide beginnen mit „B“.
Was hat der Reichstag mit dem Bundestag zu tun?
Ganz einfach: Gute Frage!
Der Bundestag steht in Bonn, der Reichstag in Berlin. Das gilt jedenfalls, wenn man von den Gebäuden redet.
Und was für Gebäude! In Bonn war vor dem Bau des gläsernen Post-Hochhauses der „Lange Eugen“,
wie der Bundestag nach dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmeier genannt wurde, das höchste Gebäude in der Rheinaue.
In Berlin erhielt der Reichstag die gläserne Kuppel durch den englischen Architekten Sir Norman Foster,
die sich sehr schnell zum Tourismusmagneten und Wahrzeichen für das „neue“ Berlin entwickelte.
Redet man vom deutschen Parlament als Institution, dann tagt der Deutsche Bundestag seit 1999 ständig im Reichstag:
Das soll ein Amerikaner verstehen!
Wir haben beides besucht, Reichstag und Bundestag, und uns extra dafür schicke Klamotten mitgenommen
(was natürlich auf der „Compagnon“ auch sonst Standard ist…). Zuerst besuchten wir eine Plenarsitzung des Bundestages zur Raumordnung.
Das Ambiete war schon beeindruckend, die Argumentation weniger!
Danach ging es bei herrlichem Wetter ab in die Kuppel, die wir als angemeldete Besucher der Plenarsitzung ohne Wartezeit besuchen
konnten mit einem wundervollen Rundblick über Berlin und die märkische Landschaft: Von der Rheinaue an den Spreebogen!
Was haben die OberbürgermeisterInnen rheinischer Großstädte mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin zu tun?
Ganz einfach: Heikle Frage!
Einige haben dasselbe Parteibuch.
Ansonsten bestehen - soweit bekannt - erhebliche Unterschiede. Da hat der Regierende Bürgermeister von Berlin, trotz unterschiedlicher Couleur,
eher Gemeinsamkeiten mit dem Ersten Bürgermeister von Hamburg:
Beide bekennen sich vom „anderen Ufer“, der eine von jenseits der Spree, der andere von jenseits der Elbe.
Wappen „Berlin Mitte“